Im Rahmen der Spryker-Webinar Weeks zum Thema Food meets Tech hat Hungry Ventures Founding Partner Bastian Halecker ein Webinar zu Innovationsstrategien für den Foodsektor gehalten.

Der nachfolgende Beitrag stellt eine Zusammenfassung des Webinars statt. Die gesamten Insights und die an die Präsentation anschließende Diskussion findet Ihr im Video.

Auf einen Blick

  • Krisenbedingt hat sich in den vergangenen Wochen ein Wandel vollzogen, der unter anderen Umständen voraussichtlich Jahre gedauert hätte. Offline wird immer mehr zu online, die digitale Transformation, die schon oft geplant, aber nicht durchgeführt wurde, findet von heute auf morgen statt.
  • Aus COVID-19 ergeben sich viele Chancen, die es zu nutzen gilt. Startups, die sich dies zu eigen machen, finden enormen Zuspruch. Auch etablierte Unternehmen probieren zunehmend neue Geschäftsmodelle (so z.B. in Form eines D2C-Channels wie im Beispiel AB Inbev oder Lindt).
  • Die nächste Krise wird kommen. Laut Bastian wird hier das Thema Nachhaltigkeit auf die Probe gestellt. Unternehmen sollten jetzt handeln, um ihre Unternehmen zukunftsfit zu machen und Probleme wie aktuell durch Corona frühzeitig zu vermeiden. Denn auch hier gilt: Flatten the curve.

Food is the new internet - Don't miss it!

Innovation

Dieses Zitat von Elon Musk’s Bruder Kimbal Musk repräsentiert laut Bastian die letzten Jahre mehr als treffend. Die Zahl der Gründungen belegt, dass Food, vor allem in Kombination mit Technologie, nicht nur in Corona-Zeiten ein attraktiver Markt ist.

Wie hoch ist allerdings deren Innovationsgehalt? Anhand dreier Abstufungen erklärt Bastian, welche Arten von Innovationen existieren:

  • Vitamin: Vitamin-Innovationen sind „nice to have“. Sie befriedigen keine existenziellen Bedürfnisse, gestalten aber so manche Situation angenehmer. Ein Beispiel für ein Vitamin ist der Knoppers Riegel (der in letzter Zeit auch Konkurrenz bekam).
  • Painkiller: Painkiller geben Antwort auf die Frage, welches Problem Innovationen lösen. Vor allem in der Food-Branche oft keine leichte Frage, denn welche Food-Innovationen sind wirklich lebensnotwendig und lösen ein Problem der Zielgruppe? Beyond Meat kommt dem Konzept jedoch schon verdächtig nahe. Das Unternehmen machte Produkte aus alternativen Proteinen der breiten Masse zugänglich und schuf so eine Möglichkeit, den Fleischkonsum einzuschränken.
  • Game Changer: Die dritte Stufe sind sogenannte Game Changer. Game Changer sind oft schwierig zu finden, da es heutzutage ein komplexes Befangen ist wirklich neue Produkte auf den Markt zu bringen. Vor allem im Food-Markt, wo ein Neu-Erfinden bestimmter Lebensmittelbereiche gefragt wäre. Ein Beispiel hierfür wären Artificial Meat Produkte wie jene von Mosa Meat.

Basierend auf diesen drei Innovationsarten leitet Bastian auf Innovationspraktiken etablierter Unternehmen über und wie diese durch digitale Praktiken ergänzt werden können (und in Zukunft auch sollten). Der Fokus sollte dabei immer auf kundenzentrierter Arbeit liegen, was nur unter möglichst früher Einbindung des Kunden funktioniert. Daneben ist aber auch das Aneignen eigener Skills für die Unternehmen von Bedeutung: Neben klassischer Marktforschung nehmen Customer Analytics und Insights eine große Rolle ein.

Aktueller Status Quo und Potenziale aus COVID-19

Mit COVID-19 fanden sozioökonomische ‚Plattenverschiebungen‘ statt: Soziale Gefüge und Konsumentenverhalten haben sich global geändert, und das innerhalb von Tagen.

Der Handel profitiert und struggled. Durch häufigeres Online-Shopping gewinnen Online-Shops, kämpfen allerdings auf der anderen Seite mit einer noch nie da gewesenen Anzahl an Bestellungen. Gleichzeitig steht der Offline-Handel unter Druck: Weniger Kunden besuchen die Märkte, kaufen aber größere Warenkörbe. Darunter leiden nicht nur überforderte Handelsstrukturen, sondern vor allem auch die Customer Experience. Eine Situation, aus der sich viele Opportunities ergeben.

Aktuell werden daher vielerorts Geschäftsmodelle abgewandelt, neue Businesses aufgebaut oder bisherige Strukturen überdacht (Startups wie foodly unterstützen dabei). Dadurch wird vielen, bisher eher im Hintergrund wachsenden, neuen Trends der Weg geebnet. Pick up-Stationen wie in den USA, der kontaktfreie Handel (Lieferungen und Bezahlungen) oder Live Commerce wie in China sind nur einige Beispiele dafür. Ebenso erleben Hofläden-Lieferdienste aktuell einen Boom. Nicht nur hier bleibt jedoch langfristig weiterhin lokal und digital die Frage der Effizienz und Skalierbarkeit.

Beispiele aus der Praxis

Das wohl am prominenteste Beispiel ist Toilettenpapier. Von heute auf morgen wurde das Produkt von einem Low interest- zu einem High interest-Produkt, um das sich Menschen in den Supermärkten und Drogerien streiten. Auch eines unserer Projekte bei Hungry Ventures beschäftigte sich mit einem ähnlichen Thema: Der Schnelle Hilfe Onlineshop sollte unter der Domain toilettenpapier.de Menschen, die Schwierigkeiten haben, sich mit Hygieneartikeln zu versorgen, schnell und einfach damit beliefern.

COVID-19 warf auch ein neues Licht auf Direct-to-Consumer-Ansätze: So launchte Heinz UK den HeinztoHome-Onlineshop, in dem Konsumenten unter anderem Dosenbundles kaufen können.

Allgemein gesprochen werden alternative POS immer wichtige – und spannender. Von Smart Fridges bis hin zu Produktboxen in Taxis, Unternehmen bleiben keine Grenzen gesetzt. So auch Emmas Enkel Laden. Der Stuttgarter Shop wurde als neuer Zweig zum herkömmlichen Vertrieb von der real GmbH ins Leben gerufen und folgt dem Tante Emma Laden Konzept.

Bastian Halecker

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